Fremde oder Freunde?

Opel wird elektrisch

Opel gehört zu den Pionieren der Elektromobilität: 2012 feierte der mit Range-Extender ausgelieferte Ampera Premiere. Die zweite Generation, der Ampera-e, kam 2017 auf den Markt. Nun folgt der vollelektrische Corsa, der ab Anfang 2020 in Saragossa gebaut wird. Zusammen mit dem Grandland X Hybrid4 läutet er die elektrische Ära bei Opel ein. Bereits bis 2024 wird die Marke mit dem Blitz von jedem einzelnen Modell eine elektrifizierte Version anbieten.

Mareike Keil hat den Corsa schon immer gemocht. Schon in jungen Jahren, als sie noch hinten Platz nehmen musste, meistens jedenfalls. Drum testet sie beim neuen Corsa-e erst einmal die Rückbank aus. Und stellt fest: „Das ist genau dasselbe Sitzgefühl wie bei einem normalen Corsa. Gute Beinfreiheit, keinerlei Einschränkungen durch die Batterie im Fahrzeugboden.“

Ehemann Manuel nickt. „Ich habe bei der IAA schon in beiden Corsa gesessen, dem neuen Dreizylinder-Benziner und dem Corsa-e. Da sind im Innenraum wirklich kaum Unterschiede auszumachen“, zeigt er sich nicht sehr überrascht von der Einschätzung seiner Frau. „Eine tolle Leistung der Opel-Ingenieure.“ Perspektivisch könnte der Opel-Stromer durchaus ein Thema bei den Keils werden. Denn beide sind überzeugt, dass E-Autos den besten Weg in eine mobile Zukunft markieren.

 

Entspannter Plausch unter Experten (v.l.): Georg Schade, Peter Ramminger, Ampera-e-Fan Dr. Manfred Hohmeyer und Sven Möller.

Kritische Blicke: Die Ampera-e-Freunde stellen hohe Ansprüche – auch an Details.

 

Vor einem Jahr haben sie sich einen Ampera-e zugelegt, und den wollen sie auch noch eine Weile fahren, „weil er ein richtiger Familien-Van ist.“ Sohn Magnus kann seinen Eltern da nur beipflichten. Der Corsa-e gefalle ihm zwar, „aber ein bisschen kleiner als unserer ist er ja schon“, urteilt der Siebenjährige nach seiner Begutachtung von Opels neuem Alternativem. „Das soll er ja auch sein, das macht ihn nämlich zum idealen Stadtauto“, klärt Manuel

Keil seinen Stammhalter auf. Keine Vater-Sohn-Diskussion gibt es bezüglich zweier Vorteile, die der Corsa-e bietet: „Mit ihm ist nun auch ein 3-Phasenladen möglich, das geht natürlich um einiges schneller“, weiß der Papa. Und: „Beim Corsa-e kann in Zukunft jeder Opel-Servicepartner auch bei Hochvolt-Problemen helfen.“ Als Ampera-e-Fahrer waren die Keils bislang auf einen ausgesuchten Händlerkreis beschränkt.

 

Drei M, die auf „e“ setzen: Mareike, Magnus und Manuel Keil.

 

Die Keils sind auf Einladung Sven Möllers in den Hochtaunus gekommen. Der umtriebige Hamburger hat zum nunmehr dritten Mal zu einem Ampera-e-Treffen eingeladen, diesmal ins Hotel Collegium in Glashütten. Rund 30 E-Auto-Enthusiasten sind seinem Ruf gefolgt, sich mit ihm ein Wochenende lang ihrer alternativen Automobilleidenschaft zu widmen. Unter anderem steht eine Ausfahrt nach – wohin wohl? – Rüsselsheim auf dem Programm, wo der Freundeskreis die ehemalige Opel-Werkshalle und die alte Opel-Rennbahn besichtigen will.

Am ersten Abend gesellen sich Opel-Chefingenieur Peter Ramminger, Programm Manager Georg Schade und Kommunikationsexperte Christopher Rux zu den Ampera-e-Fans, drei ausgewiesene Fachleute in Sachen Corsa-e. Sie wollen den E-Pionieren Idee und Konzept hinter dem neuen Stromer mit dem Blitz vorstellen, haben sogar ein Anschauungsobjekt zum Anfassen und Probesitzen mitgebracht.

 

„Eine tolle Leistung der Opel-Ingenieure.“

– Manuel Keil –

 

Der Rüsselsheimer Delegation ist bewusst: Von der Zukunftstauglichkeit der E-Mobilität muss in diesem Kreis niemand mehr überzeugt werden, wenn, vermag nur das Auto insgesamt zu begeistern. Und das gelingt ihm recht gut.

 

Sind für einen ersten Corsa-e-Check aus Basel in den Hochtaunus gereist: Pierre und Supannee Montheil.

 

„Ich liebe diese absolute Laufruhe, aber auch die Beschleunigung.“

– Supannee Montheil –

„Das sieht sehr schnittig aus, ist gut gemacht“, erkennt Pierre Montheil an, der aus Basel gekommen ist. Das Einsteigen in seinen Ampera-e falle ihm allerdings leichter, das müsse er zugeben: „Ich komm’ halt langsam in ein Alter, wo man auch darauf achtet.“ Um ein profunderes Vergleichsurteil abgeben zu können, müsste er den Corsa-e allerdings erst mal über eine längere Strecke fahren. Auch wenn er überzeugt sei, dass es ein Vergnügen sei, denn elektrisch fahren bereitet dem Schweizer generell Freude, ebenso seiner Frau Supannee: „Ich liebe diese absolute Laufruhe, aber auch die Beschleunigung – die ist einfach genial.“

 

Alles Müller, oder was? Reiner Müller, stolzer Ampera-e-Besitzer und Tochter Silvana, die es auf den Corsa-e abgesehen hat.

 

„Die Form ist sehr schön.“

– Reiner Müller –

 

„Die Form ist sehr schön“, urteilt Reiner Müller aus Tirol, ein Elektropionier der ersten Stunde. „Ich habe schon in den 90er-Jahren einen Charlie-Elektroroller aus den MZ-Werken im Erzgebirge gefahren, und E-Bikes, als sie noch gar nicht angesagt waren.“ Der Corsa-e könnte auch für ihn ein Thema werden – „im Moment aber gebe ich meinen Ampera-e noch nicht her.“

Seine Tochter Silvana dagegen ist in ihren Überlegungen schon ein wenig weiter. Sie fährt gegenwärtig noch ein E-Moped, genießt aber mit dem Papa jede Ausfahrt auf vier elektrifizierten Rädern – „eine reine Wohltat, jedes Mal.“ Ein Ampera-e wäre ihr jedoch zu teuer gewesen, doch der Corsa-e, der könnte schon eher in ihr Budget passen. „Mal sehen …“

 

Der Organisator: Sven Möller hat auch das dritte Ampera-e-Treffen auf die Beine gestellt.

 

„Wenn ich groß bin, fahre ich auch elektrisch.“

– Magnus Keil –

Für Manuel Keil dagegen ist die Sache bereits entscheiden: „Wenn ich groß bin, fahre ich auch elektrisch“, erklärt er entschlossen. Also nur noch elf Jahre warten, dann darf er selbst hinters Steuer. Oder? „Wenn du groß bist, fährst du doch gar nicht mehr selbst, da fahren wir alle autonom“, prophezeit Mutter Mareike. Wir werden sehen …


Oktober 2019

Text: Eric Scherer, Fotos: Alex Heimann